repetition

Und ja: Mir schmerzt das Gesicht. Ich habe vraiment Angst, es könnte zerplatzen; überall sind da rote Flecken und ich frage mich, ob ich etwas Falsches gegessen habe oder etwas Falsches getan, gedacht, gewünscht. Oder ob es etwas mit dir zu tun hat.
In der Straßenbahn und abends im Bett philosophiere ich so vor mich hin; ich verzweifle und finde das langsam ganz schön krank, was du hier anrichtest.
Du verstehst nicht, dass ich dich nicht sehen will: okay. Du wirst trotzdem vorbeikommen, sagst du: nicht okay, geradezu beängstigend, obsessiv, krankhaft und ich werde zum paranoiden Gespenst. Ich schleiche durch eins der Treppenhäuser eines Gebäudes auf dem Uni-Campus und, obwohl du nur einmal mit mir hier gewesen bist, fürchte ich, du könntest mich abfangen, irgendwo. Ich will dich nicht nicht wiedersehen, nur, weil ich Angst habe, dass da noch Gefühle sein könnten - so wie du die Sache gerne hinstellst; ich will dich wirklich nicht sehen, weil ich wirklich und überhaupt nichts mehr von dir wissen will und nichts mehr für dich empfinde als Wutangsthassenttäuschung.

Ich habe vergessen,
wie es geht,
how to walk
and how to speak.

Oder die roten Flecken rühren daher, dass ich für diesen Anderen nichts besonderes bin. Dass er mit mir telefoniert wie mit jeder anderen. Mit mir, von der er genau weiß, dass ich so gut wie nie telefoniere, jedenfalls nicht ohne Sinn und Verstand, nicht einfach so, sondern nahezu ausschließlich mit einem Zweck dahinter.

Spite and malice.

Ich bin der traurigste Song der Welt, das größte Häufchen Elend des Universums. Manchmal fühlt es sich komisch an, in mir gefangen zu sein. Nur noch die Dinge zu tun, die von mir erwartet werden und da nicht mehr rauszukommen, niemals. Ich kann nicht einfach so mit dir sprechen, meine Liebe, weil ich das noch nie getan habe und es komisch wäre, diese Mauer zu zerbrechen, den Schall hinter sich zu lassen, noch einmal von vorne anzufangen.

Manchmal gehe ich eine Straße entlang und weiß nicht, wohin, weil es nicht ich bin, die einen Fuß vor den anderen setzt, sondern irgendeine stoische Mechanik, die mich antreibt und, sobald ich mich wehre, ins Stolpern bringt. Manchmal kann ich einfach nicht stehenbleiben.

Ich kann dich nicht anlächeln, ich kann dir nicht antworten, nur irgendeinen blöden Spruch bringen oder anfangen, zu stottern, weil du es bist und du viel stärker bist als ich, weil du dir erlauben kannst, so zu sein, wie du bist, locker und fröhlich, und ich kann es nicht. Du fragst, wieso ich Schwedisch lernen möchte; ich könnte stundenlang darüber reden, aber so genau will das doch keiner wissen. Ich bin schon in der ersten Stunde irgendwie unterfordert, aber kann das nicht zugeben, weil ich diese Rolle, die mir auf den Leib geschrieben scheint, nicht mehr haben möchte: Ich will von euch nicht hören, wer ich bin.

Ich würde es gerne selbst wissen und nicht immer weiterjagen müssen und suchen und nie erfahren, nur selten kurz schmecken, kurz riechen dürfen. In einem Sonnenstrahl oder in einer Schneeflocke, in einem Funken oder in einem Kuss, im Alkohol oder in einem Lied,
wann endlich mit dem Herzen?

Die Seele versteckt sich ichweißnichtwo.

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